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Autor: Frank Jaschkowski

Meine Erinnerungen an die CAU reichen nunmehr schon 35 Jahre zurück und ich darf Ihnen versichern, dass mir gerade die ersten Zeilen Ihres Briefes außerordentlich gut gefallen haben.

In meiner Erinnerung überwiegt heutzutage natürlich die Wehmut, aber auch die Freude darüber, dass man so eine schöne Zeit überhaupt hat erleben dürfen.

Ich habe in den Jahren meines Studiums mit zwei angehenden Volkswirten und einem angehenden Juristen in einer komfortabel ausgestatteten größeren Gartenlaube in Kronshagen auf knapp 900 qm2 Grund gelebt. Natürlich haben wir unsere Studien alle mehr oder weniger (ich mehr) mit dem gebotenen Engagement und Ernst betrieben. Ergänzend dazu entwickelten wir jedoch zahlreiche Aktivitäten in unserer Freizeit, um uns in geeigneter Weise zu entspannen. So gehörten nach kurzer Zeit Tipp-Kick, Scotland-Yard oder Risiko zu unserer Alltagsroutine. Die Verteilung der Reinigungs- und Putzarbeiten wurde unter den Beteiligten mit einem Dartspiel ausgeworfen.

Das erstaunliche für mich war, dass es in dieser doch teilweise sehr intimen Form des Zusammenlebens keine ernsthaften Konflikte gegeben hat, sondern daraus Freundschaften fürs Leben geworden sind. Natürlich hatte ich durch die Zusammensetzung unserer WG die Gelegenheit, tiefere juristische Einblicke zu erhalten und auch zu Fragen und Prinzipien der Volkswirtschaftslehre wurde mir regelmäßig bei unseren gemeinsamen Abendessen Auskunft erteilt. Meine Nähe zu diesen beiden Fächern ermöglichte es mir auch, meiner großen Passion, dem Fußballspielen, nachzugehen und so erhielt ich sogar Eingang in die Mannschaften der Volkswirte und Juristen, aufgefallen ist dies zum Glück bis heute niemandem.

Das wirklich Erstaunliche an unserer gemeinsamen Zeit war jedoch, dass daraus Freundschaft fürs Leben entstanden ist. Und noch heute treffen wir uns regelmäßig zu viert und begrüßen uns dann mit dem Spruch „Ich könnt´ sofort wieder einziehen“. Natürlich wird bei diesen Treffen in alten Zeiten geschwelgt, aber auch über Aktuelles berichtet.

Unser Jurist Siegfried war unter anderem der persönliche Referent von Angela Merkel und ist nun bei der EU in Brüssel gelandet. Der Volkswirt Berend war einige Zeit lang wirtschaftspolitischer Berater der FDP-Bundestagsfraktion und treibt zwischenzeitlich im Bundeswirtschaftsministerium sein Unwesen. Der zweite Volkswirt Carsten ist bei Airbus Industrie gelandet und ich darf in der Apothekerkammer Schleswig-Holstein seit vielen Jahren die Interessen meines Berufsstandes vertreten.

Der Spirit dieser Zeit lebt aber nach über 30 Jahren immer noch in uns fort und wenn wir uns treffen, ist die Dartscheibe mit an Bord und das Tipp-Kick Spiel steht auf dem Tisch und in unserer Selbstwahrnehmung mutieren wir wieder zu jungen Männern in den Zwanzigern, und das ist einfach ein unheimlich schönes Gefühl. Wenn's dann gut läuft, mach ich für alle meine ungarische Hackfleischpfanne, nur auf das Hansa Pils von Aldi müssen wir inzwischen verzichten. Ein bisschen Genuss muss sein.

Vielleicht passt diese Geschichte nicht ganz zu Ihrem Jubiläum, aber Sie haben so nett geschrieben, dass ich einfach antworten wollte.