Chaotische Zeiten

Autor: Rüdiger Wertz

Wildes Sommersemester 1969: immerhin mein Start in die studentische Freiheit nach 2 Jahren Bundeswehr. Eine schöne, aber auch chaotische Zeit an der CAU begann: Neben Sit-ins ,Go-ins, "Sprengungen" von Vorlesungen, Übungen und Praktika gab es sogar in den nicht so gesellschaftspolitisch brisanten Fächern wie Botanik und Zoologie Farbbeutel- und Eierwürfe auf nicht gesprächsbereite Professoren und Dozenten.

Trotz grundsätzlicher Unterstützung einiger Thesen und Maßnahmen des AstA (Demo vorm Landeshaus) erschienen mir viele Aktionen viel zu abstrakt und politisch chaotisch: Z.B. wurde man in der Mensa ständig mit Pamphleten von Maoisten, Marxisten-Leninisten und Roten Zellen fast aller Fächer "bombardiert". Gipfelpunkt: Abschaffung des praktischen Anteils des Sport- studiums, stattdessen Übungen, um die repressiven Methoden des Leistungssports zu hinterfragen (und das bei mir als Leistungssportler durch und durch!).

Auch Testate z.B. in der Botanik waren bedroht, so dass wir auf das Angebot Prof. Raabes eingingen, "heimlich" in der Bibliothek eine Übung über "Die Grromineen" (Gramineen) in S.-H. abzuhalten. Wären wir von den auch in der math.-nat. Fakultät teilweise radikalisierten Kommilitonen "erwischt" worden, hätte es sicher politische "Keile" gegeben. Unsere Scheine waren uns wichtiger!