Die Agrar-Fakultät der CAU aus unterschiedlichen Blickwinkeln

Autor: Prof. Ferdinand Hansen

Meine Geschichte beginnt mit dem Sommer-Semester 1957. Erst kurz zuvor hatte ich die fachgebundene Hochschulreife an der damaligen Höheren Landbauschule unter dem Prüfungsvorsitz von Prof. Dr. Georg Blohm erworben. Damit war die „Eignung für das Hochschulstudium der Landwirtschaft“ gegeben. Wo? Natürlich an der CAU!

Die erste Vorlesung im damals noch 6-semestrigen Diplom-Studiengang erlebte ich im Fach Bodenkunde. Danach drängte sich der Eindruck auf, dass die Lehrveranstaltung didaktisch so aufbereitet war, wie sie gehalten wurde, um Studenten des zweiten Bildungsweges von einem universitären Studium rechtzeitig abzuhalten. Prompt stellten sich bei mir Zweifel ein, ob ich auf dem rechten Weg sei. Hatte ich doch einen Berufseinstieg als staatlich geprüfter Landwirt abgesagt. Ratlos verliefen die ersten Tage in Kiel. Zu meinem Erstaunen erhielt ich nach einigen Tagen eine Einladung des Rektorats. Ich sei ausgewählt, an der feierlichen Immatrikulation für die damals noch kleine Zahl der Studienanfänger der Landwirtschaftlichen Fakultät teilzunehmen. So jedenfalls ist es mir in Erinnerung. Entscheidend aber war: Nun hatte mich die CAU; alle Zweifel wurden verdrängt. 1960 gab es dann ein recht ordentliches Diplom. Das erfüllte mich mit Stolz. „Meine Fakultät“ ließ mich fortan berufslebenslang nicht mehr los.

Zum Winter-Semester 1973/74 wurde ich von Prof. Dr. Hans Stamer gebeten, die Vorlesung „Grundzüge der Agrarstrukturpolitik“ zu übernehmen. Es war eine Pflichtvorlesung in den Grundlagen der Agrar- und zunächst auch der Ernährungswissenschaften sowie für Studierende der Agrarökonomie des 5. - 6. Semesters. Die Lehrveranstaltung fand zumeist im Audimax Hörsaal C statt. Die Anzahl der Studierenden war inzwischen weit höher als zu meiner Studienzeit. Neu – für mich bereichernd und motivierend – war der hohe Anteil von Studentinnen. Das kannte ich weder aus meiner Studienzeit noch aus meiner hauptberuflichen Tätigkeit an der Fachhochschule. 6 Jahre habe ich diese Lehrveranstaltung mit Freude vertreten. In Erinnerung ist mir, wie Beschäftigte im Audimax mich mehrfach darauf hinwiesen, stets Jacke etc. mit in den Hörsaal zu nehmen – vorsichtshalber. Diesem Rat bin ich nie gefolgt; es ist auch nie etwas weggekommen. Nach Ende der Vorlesung – es war gegen 18.30 Uhr – wurde ein reflektierender Rundgang durch das vertraute Gelände vor der Rückreise zur Regel. Er vermittelte mir wohltuend das Gefühl, wieder zurückgekehrt zu sein, wieder dazuzugehören.

1986 wurde ich Referatsleiter im damaligen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (MELF). In meinem Referat war auch die Verbindung zu den agraren Hochschuleinrichtungen angesiedelt. Zumeist ging es um die personelle und sächliche Ausstattung der Hochschuleinrichtungen oder um Osteuropa-Aktivitäten. Besonders gerne erinnere ich mich an das Zusammenwirken im Prüfungsausschuss der Staatsprüfung für den höheren landwirtschaftlichen Verwaltungs- und Schuldienst. Die Kollegen beider Hochschuleinrichtungen kannte ich aus meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit. Das erleichterte mir die Zusammenarbeit; sie wurde dadurch persönlich bereichernd.

So hat mich die CAU über 40 Jahre begleitet, meinen beruflichen Lebensweg geprägt und mir die Möglichkeit gegeben, meine universitäre Heimat aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erleben.