Die CAU, das HURI und die HUS – oder: eine kurze Geschichte aus Harvard

Autor: Claus von Carnap-Bornheim

Vor 20 Jahren besuchte ich mit meiner Familie Harvard, Cambridge, MA. Den Campus und das Umfeld dieser Universität kennenzulernen, das hatten wir uns schon lange vorgenommen.

Zugleich hatte ich aber auch einen Auftrag: Mein Minsker Kollege Sergej benötigte dringend die Fotokopie eines Aufsatzes aus den Havard Ukrainian Studies (HUS), die vom Harvard Ukrainian Research Institute (HURI) herausgegeben werden. Ich suchte also das entsprechende Gebäude auf dem weitläufigen Universitäts-Campus und betrat – doch mit gewisser Erfurcht – ein eher bescheidenes Holzgebäude, das eben diese international renommierte Einrichtung beherbergt.

Das Büro der Institutsleitung war schnell gefunden, ich stellte mich mit den Worten: "Hello, my name is Prof. von Carnap from the Christian-Albrechts-University in Kiel, Germany!" vor und erläuterte dann mein Anliegen. Um ganz ehrlich zu sein: Erwartet hatte ich ein "Oh, dear Collegue, nice to meet you. Of course I know your University and it will be a pleasure to help you." Aber was anstatt dessen kam, war doch eher ernüchternd: "Please go down to the cellar where you will find our library." Das war zwar schleswig-holsteinische kurz und knapp, aber doch ganz ohne die wissenschaftliche Dringlichkeit meines Anliegens zu berücksichtigen oder gar die besondere persönliche Bedeutung überhaupt zu erfassen.

Ich ging also in den Keller und mit einem "Hello, I am Claus looking for the 1953 HUS to make some fotocopies. Would that be possible?" reduzierte ich Begrüßung und Anfrage bei der zuständigen Bibliothekarin nun doch ganz erheblich. Das Journal war schnell gefunden; die Fotokopie kostet 20 Cent pro Seite und nach 10 Minuten war mein Besuch beendet.

Fazit: Unsere Universität ist zwar im HURI noch nicht bekannt, für eine kollegiale Dienstleistung für Sergej in Minsk aber doch ganz ordentlich eingerichtet!