Ein ungewollter Lacherfolg

Autor: Uta Franck

Wenn jemand von 1962-1966 in Kiel an der Christian-Albrechts-Universität Geografie studiert hat, kam er unweigerlich mit Professor Schlenger, einem älteren gütigen, aber auch strengen Herrn in Kontakt.

Ich belegte bei ihm im Sommersemester 1964 das Seminar Stadtgeografie und meldete mich zu einem Referat.

Mein Thema lautete: Methoden zur raschen Erfassung des geografischen Wesens einer Stadt am Beispiel. Meldorf, meine Heimatstadt, wollte ich wissenschaftlich untersuchen.

Zunächst einmal musste ich fünfhundert Seiten des Lehrbuchs der Allgemeinen Siedlungsgeografie von Professorin Dr. Gabriele Schwarz durcharbeiten und ein Schema entwickeln, d. h. eine Tabelle mit den Charakteristika eines zentralen Ortes anfertigen.

Dieses Schema habe ich dann auf Meldorf angewendet.

Dabei kam das heraus, was ich schon vorher wusste: Meine Heimatstadt gehörte mit ihren achttausend Einwohnern zu der unteren Kategorie einer Stadt, ein Landstädtchen, dessen Hauptbedeutung darin lag, dass es eine Kreisstadt war.

Durch fünf wichtige zentrale Einrichtungen unterschied sich Meldorf aber eindeutig von einer bloßen Marktsiedlung oder einem großen Dorf.

Eine dieser zentralen Einrichtungen bescherte mir einen ungewollten Lacherfolg. In Meldorf gab es damals eine eigene Zeitung, den "Meldorfer Hausfreund", der Bekanntmachungen der Behörden und der Wirtschaft enthielt.

Als ich mein Referat vortrug und todernst erklärte: "Der Meldorfer Hausfreund erscheint zwei Mal wöchentlich", brachen meine Kommilitonen in schallendes Gelächter aus.

Erschrocken schaute ich in die fröhlichen Gesichter, bis bei mir der Groschen fiel und auch ich zu lachen anfing.

Ob sich Professor Schlenger amüsiert hat? Ich weiß es nicht. In meiner Verwirrung habe ich nicht zu ihm hingeschaut.

Uta Franck, 1963 in Kiel, Fotograf unbekannt