Erlebnisse aus der Nachkriegszeit 1946 -1948: Ery-Pipette / aus Glas

Autor: Dr. med. Gisela Wagenbüchler–Horns

Im Labor der Medizinischen Klinik musste ich eine Ery-Pipette reinigen und trocknen. Damals geschah das Trocknen des Inneren der Pipette durch Erzeugung eines negativen Druckes am doppelläufigen Wasserhahn. Zeit: ½ - 1 Stunde.

Nun hatte ich das Pech, dass sich der Wasserdruck plötzlich veränderte. Dabei drehte sich der Schlauch und infolge zerbrach die Pipette am harten Ausguss.

Mit diesen Scherben musste ich mich jetzt bei dem Dekan Herrn Professor Reinwein melden und bekam die niederschmetternde Antwort: „Wenn Ihnen eine Pipette kaputt geht, sind Sie nicht für den ärztlichen Beruf geeignet. Bitte ersetzen, und mir die neue Pipette zeigen.“ Nun ja, 1946 Nachkriegszeit, woher?

Es gelang mir, eine Krankenhausbedarfs-Firma in Rendsburg ausfindig zu machen und für gutes Geld eine neue Ery-Pipette zu erstehen. Jetzt war Professor Reinwein wieder freundlich und hat auch später im Staatsexamen ein Lächeln für mich gehabt.

Zu meiner Vorgeschichte:
Abitur: März 1941
28.3.1941 – 29.3.1942: Arbeitsdienst und Kriegshilfsdienst
1942: 1. Semester, S/W 2. Semester 1942 /43,
1943: 3. Semester > Vorphysikum
1943/44: S/W 4. Semester > Physikum
SS 1944: 1. klinisches Semester
Mitte Juli 1944: Einberufung durch die Wehrmacht als DRK-Krankenschwester bis Jan. 1946
Februar und März 1946: Famulatur Mediz. Uni-Klinik

Dr. med. Gisela Wagenbüchler–Horns (2014)

Dr. med. Gisela Wagenbüchler–Horns (2014)

Dr. med. Gisela Wagenbüchler–Horns (1943)

Dr. med. Gisela Wagenbüchler–Horns (1943)