Erlebnisse aus der Nachkriegszeit 1946 – 1948: Studentenzimmer / Bude 1946 – 1951

Autor: Dr. med. Gisela Wagenbüchler–Horns

Da wir 1944 in der Feldstraße total ausgebombt waren, musste ich mir in Kiel eine Unterkunft suchen. Ich ging um den Schreventeich herum und in der Goethestr. 29 öffnete eine alte freundliche Dame, die gleich sagte, als Medizinstudentin könnten Sie mir vielleicht mal behilflich sein.

Ich erhielt ihr Esszimmer mit schweren dunkel-braunen Eichenmöbeln. Aber die Liegemöglichkeit war ein Sofa, mit einer großen Kuhle, in die ein dickes Kissen gelegt wurde, und meine Füße ragten über die Armlehnen hinaus. So schlief ich von 1946 – 1951.

Das Zimmer hatte einen Erker mit 3 Fenstern. Das große mittlere war mit Pappe verkleidet. Zum Heizen fand sich ein eiserner Ofen im Raum, aber es gab kein Brennmaterial. Meine Mutter hatte bei einem Bauern eine kleine „Brennhexe“erstanden, die man auf den Ofen setzte und mit Brennholz heizte, das ich im Wald bei Boostedt gesammelt hatte. Aber es war nur eine geringe Wärme, die dieser kleine Ofen ausstrahlte, sodaß mir mein Vater eine warme Sitzfläche für den Stuhl konstruierte. Er kaufte einen Ziegelstein, der elektrisch zu heizen war. Den erwärmten Stein legte er in die Mitte einer flachen Kiste und isolierte die Seiten mit Papier. Auf diese Weise war es mir von unterwärts angenehm warm, zusätzlich mit einer Wolldecke um die Beine. So wurde studiert!

1957 eröffnete ich in Kiel eine eigene gynäkologisch-geburtshilfliche Praxis und war eine angesehene und beliebte Frauenärztin.