Hände hoch im Konvent

Autor: Susanne Mielke-Vesper

Zu Beginn der 80er Jahre war ich Fachschaftsvertreterin und Konventsmitglied in der Theologischen Fakultät. Für die studentischen Vertreterinnen und Vertreter im Konvent gab es seit langen Jahren die ungeschriebene Übereinkunft, sich grundsätzlich nicht an Abstimmungen zu beteiligen, um dadurch auf die unparitätische Zusammensetzung der Hochschulgremien hinzuweisen. Das hinderte uns zwar nicht daran, konstruktiv mit den Professoren (keine –innen) zusammenzuarbeiten, aber so war nun einmal die Konvention und so hoben wir wie unsere Vorgänger grundsätzlich nur bei „Enthaltungen?“ die Hände.

Aber eines Abends muss die Diskussion wohl so anregend und die Argumente so überzeugend gewesen sein – leider weiß ich nicht mehr, worum es ging -, dass mein Mitstreiter und ich bei der abschließenden Abstimmung von allen Seiten verblüffte Blicke ernteten. Jemand fragte vorsichtig „Meinen Sie das ernst?“ Wir sahen uns an und merkten erst in diesem Moment, dass wir beide ohne vorherige Absprache dem Antrag zugestimmt hatten. Unsere Hände waren plötzlich einfach oben! Ja, das war das Ende der langen Tradition, ganz ungeplant, aber stimmig. Offensichtlich war die Zeit reif für eine Veränderung, und niemand hat sich später bei uns darüber beschwert.

Heute freue ich mich darüber, dass die Vertreterinnen und Vertreter der Studierenden in den universitären Gremien und an anderen Orten eine gleichermaßen kritische wie konstruktive Position einnehmen und durch ihre Meinungsäußerungen und ihr Abstimmungsverhalten zur Weiterentwicklung unserer Universität beitragen. Gut, dass unsere damalige Verweigerungshaltung sich nicht auf Dauer durchgesetzt hat.