Kieler Studierende gehen erfolgreich für Uni Lübeck auf die Straße

Autor: Tobias Langguth

Im Frühjahr 2010 kündigte die Landesregierung umfangreiche Kürzungen im Hochschulsektor an: de facto stand die Schließung der Medizin in Lübeck und anderer Fachbereiche im ganzen Land im Raum – nur die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel war zunächst ausgenommen.

Obwohl die Hochschulleitungen mehr gegeneinander als miteinander arbeiteten, war den Studierendenvertretern aber schnell klar, dass nur gemeinsamer Protest Erfolg haben würde. Die damaligen Präsidentin des Studierendenparlaments der Kieler Universität, Julia Wuttke, und der Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses, Tobias Langguth, beschlossen auch in Kiel zu kämpfen.

Neben dem Studium, kurz vor der Prüfungsphase, diskutierten, arbeiteten und mobilisierten dutzende Freiwillige. Man rechnete aber nur mit wenigen hundert Teilnehmern – die Kieler Studierenden waren schließlich nicht betroffen. Doch es kam anders: Am sonnigen Morgen des 16. Juni 2010 füllte sich langsam der Christian-Albrechts-Platz vor dem Audimax. Aus wenigen dutzenden Demonstrierenden wurden schnell hunderte und schließlich über 5000 Menschen. Gemeinsam mit den Demonstranten aus Lübeck und Flensburg waren es über 14000 Menschen – die größte Demonstration in der Geschichte Schleswig-Holsteins. Aus einem regionalen Thema wurde ein bundesweites, ja sogar ein internationales: Selbst in der hochrenommierten Fachzeitschrift „Nature“ wurde darüber berichtet.

Der Protest hatte Erfolg: Die Kürzungen gab es nicht. In letzter Sekunde sprang Berlin ein und übernahm mit einem Trick die notwendigen Kosten. Die Studierenden aus Lübeck, aber gerade auch der Universität Kiel können stolz auf sich sein: Sie waren nicht betroffen und trotzdem setzten sie alle Kraft ein – erfolgreich. Wenn sich die Menschen an der Universität Kiel dies immer wieder ins Gedächtnis rufen wird die Universität auch in Zukunft weiter für positive gesellschaftliche Veränderungen Impulsgeber sein – neben der Wissenschaft sicher die bedeutendste Aufgabe von Hochschulen.