Lehramtsstudium in den 1950ern

Autor: Klaus Stolzenberg

In den Jahren 1952 bis 1958 habe ich in Kiel Deutsch, Latein und Theologie für das Lehramt an Höheren Schulen studiert.

Momente:

Prof. Redeker, zuständig für die Fächer protestantische Dogmatik und Ethik, gab eine vierstündige öffentliche Vorlesung unter dem sehr allgemeinen Titel “Christliche Ethik” - vierstündig. Im Laufe seiner Ausführungen gelangte er eines Tages zu dem Kapitel “Christliche Sexual-Ethik”. Redeker: “Meine Damen und Herren, dieses Kapitel bleibt einem geschlossenen Oberseminar für Volltheologen vorbehalten.” Also: Weil ich Schmalspur-Theologe in einer mittleren Semesterzahl war, blieb ich auf der Suche nach einer neutestamentlich begründeten Sexualethik allein. Macht ja nichts! Darüber zu reden, das war ja auch nicht so ganz einfach, trotz Herrn Kolle, oder vielleicht: Eben deswegen!

1956 stellte ich mich der staatlichen Prüfung für das höhere Lehramt in dem Fach Deutsch. Herr Dr. Wodtke meinte es eigentlich gut mit mir, der ich auch für das Fach evangelische Religion studiert hatte. Er wollte mir entgegenkommen: Die Fächerkombination brachte ihn auf die Idee, mit mir während der Prüfung gleichsam einen Ritt durch die Literaturgeschichte zu veranstalten unter dem “Motiv des Todes”: Das gelang ihm und besonders mir nur in Grenzen! - Nachher: “Wissen Sie, da hätte ich mehr von Ihnen erwartet: Sie sind doch Theologe! Da muss man doch wissen, was es mit dem Tod in der Literatur so auf sich hat!” – Ich habe mich bei ihm bedankt für seine fachbezogenen Vorstellungen, dann bin ich gegangen.

Bereits am folgenden Tage bin ich ins Altsprachliche Seminar gegangen zu Professor Erich Burck: Ich wollte von ihm erfahren, wieviel Semester ich gebrauchen werde, um nach Erwerb der Lehrbefähigung für die Fächer Deutsch und evangelische Religion noch die Befähigung für das Fach Latein zu erlangen. Burck: “Ich antworte formal: Morgen! Denn durch Ihre erfolgreichen Prüfungen in Theologie und Deutsch haben Sie Ihre Fähigkeit wissenschaftlichen Arbeitens unter Beweis gestellt. – Und ich antworte praktisch: In einem Jahr! Seien Sie fleißig, sehr fleißig, ich stehe Ihnen jederzeit zur Beratung zur Verfügung.” Das war aufregend gut! So war Burck immer: Sachlich und ermutigend.

Ein Jahr später: “Sie haben die Prüfung mit Erfolg bestanden. Ihnen fehlen noch ein paar Vokabeln; aber die eignen Sie sich mit Ihren Schülern bei Ihrer ersten Caesar-Lektüre an. Viel Glück und Freude!” – Nicht Ermahnung, nicht Warnung, sondern Ermutigung. Danke, Professor Burck!

Und hier noch etwas ganz Anderes: In meiner Studienzeit, '52 bis '58, gab es in den Kellerräumen unter der Mensa ein kleines, feines Tanzrestaurant: “Die Mensastuben”. Dort bin ich gern eingekehrt, nicht oft, aber immer dann, wenn ich verliebt war: Der Raum war nur schwach beleuchtet, die Musik war dezent: Klavier, Geige, Bass und zartes Schlagzeug (fast nur “Besen”), die Bedienung freundlich, die Preise nicht so ganz “ohne”, aber wer in den Mensa-Stuben einkehrte, wollte es auch ein klein wenig “schick”: Ja, man zog sich, wenn man dort einkehren wollte, ein klein wenig anders an, mit Schlips! - Man fragte den Ober, ob einer der kleinen runden Tischchen frei sei, bestellte eine Flasche Wein von der Karte, und man tanzte da mit Herz-Dame! Und man selbst kam sich vor wie Herz-König, für ein paar Stündchen.