Nordische Verbundenheit

Autor: Claudia

Ich bin Hamburgerin.

Das heißt ich bin Großstädterin, bin aufgewachsen umgeben vom Hamburger Hafen, dem Kiez und einem Shoppingparadies. Ganz zu schweigen von dem großen kulturellen Angebot und der Vielfalt an Menschen.

Und dann kam ich zum Studium an der CAU nach Kiel. Doch was genau macht diese Stadt für mich so reizvoll?

Kiel hat für mich immer noch eher Dorfcharakter. Es gibt nur ein Einkaufszentrum, man geht hier in Clubs in Jeans und T-Shirt und nicht im Minirock und Highheels. Statt innerstädtisch zwischen HSV und St. Pauli entscheiden zu müssen, braucht man sich bloß von der SG Flensburg Handewitt abzugrenzen und schon gilt man als wahrer Kieler. Flens trinkt hier trotzdem jeder.

Es heißt aber auch, dass man auf vertrautes „Moin moin“ stößt, das Wetter hier auch nicht besser ist und immer eine frische bis steife Brise weht. Der Hafen führt mehr skandinavische Kreuzfahrtschiffe als Container, aber auch daran kann man sich gewöhnen.

Die Uni ist klein genug, dass in meinem Studiengang sogar einige Professoren nicht nur mein Gesicht, sondern auch meinen Namen kennen (auch wenn das nicht immer von Vorteil sein muss) und ich nicht stundenlang durch die Stadt von einem Campus zum nächsten gondele, sondern oft einfach im selben Saal sitzen bleiben darf. Was besonders bei Schietwetter ein nicht zu verachtender Luxus ist.

Die CAU hat einen Campus, auf dem man alles in kürzester Zeit zu Fuß erreichen kann – und sich dann aus Faulheit trotzdem in den Bus quetscht. Das ist kommunikativer (sofern man noch genug Luft zum Reden kriegt) und im Winter definitiv wärmer. Es sei denn der Bus kommt nicht los, weil wieder irgendein Ersti die Lichtschranke in der Tür verstellt.

In welcher Uni trifft man auf Reitwege und Sportarten wie Sporthockern und Slacklining? Der Kieler Wassersport hat hier einen ganz großen Stellenwert. Bei Wind und Wetter sieht man die Segler draußen auf der Förde kreuzen und unter den Studenten verstecken sich viele Surfer, Schwimmer, Ruderer und andere Wasserratten.

Bevor ich nach Kiel zum Studieren ging, hieß es von einer Bekannten: In Kiel studiert man im Winter und liegt im Sommer am Strand. Nun ja, ich wünschte das wäre möglich, aber mein Studium bindet mich dafür doch zu sehr ein. Aber wenn man es doch mal schafft sich ein paar Stunden freizunehmen und die Badesachen einpackt, dann muss man sich nicht mit einen knappen Quadratmeter Elbstrand zufrieden geben, sondern kann sich auf beiden Seiten der Förde einen der vielen Strandabschnitte aussuchen und auch mal eine Wochenendreise nach Kalifornien genießen.

Versteht mich nicht falsch: Im Herzen bin ich immer noch Hamburgerin! … aber Kiel und die Uni hier, sind mir doch mittlerweile ja doch sehr ans Herz gewachsen!