Quelle der Inspiration

Autor: Udo Beer

Woran erinnere ich mich 30 Jahre nach meinem Studium? Nicht an die Scheine, die erledigt werden mussten, nicht an die Prüfungen, nicht an die merklich (über-)vollen Hörsäle; sondern an die Freiräume, die mir mein Studium an der juristischen Fakultät eröffnet hat.

Gerade die freiwillig belegten Seminare sind haften geblieben, insbesondere diejenigen meines späteren Doktorvaters, Herrn Prof. Dr. Hans Hattenhauer. Er pflegte, mit den Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmern an die dänische Grenze zu fahren, um dort in der Haidburg eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. Die ersten eigenen Forschungsergebnisse konnten dort nicht nur vor ihm, sondern auch vor den Gästen anderer Universitäten aus dem In- und Ausland vorgetragen werden. An diesem Ort wurde nicht nur diskutiert, sondern ein Erlebnis mit Langzeitwirkung ermöglicht. Außerdem lernte man, für etwa 30 Personen zu kochen. So sollte das Studium sein! Abseits vom Takt des normalen Vorlesungsbetriebes wurde nicht auf die Zeit geachtet. Welche Alternativen zum Eintauchen in das Seminarthema hätte es dort im Wald auch gegeben? Fern von jeder Ablenkung konnte der Geist arbeiten.

Als wissenschaftliche Hilfskraft hatte ich später die Aufgabe, die Bücher der Bagge Stiftung zu führen. Es hat mich gefreut, dass diese Stiftung nach dem Ende meines Studiums den didaktischen Wert eines Lernortes außerhalb von Kiel erkannt hat. Das Dr. Otto-Bagge-Kolleg in Sehlendorf ist eine luxuriöse Nachfolgeeinrichtung der alten Haidburg und ein Stück Heimat für den juristischen Nachwuchs im Lande. Die Seminare waren zudem in ihrer Form hochmodern. Denn sie waren hochschulübergreifend, verblockt und sie ermöglichten forschendes Lernen. Was erfreut das Herz eines Didakten mehr?