Schätze im Verborgenen...

Autor: Eduard Thomas

Kennen Sie Augenblicke, in denen man tief berührt ist. Augenblicke, in denen sich etwas offenbart, was man „irgendwie“ schon wusste, aber nun Teil eines persönlichen Schatzes wird? Augenblicke wie diese sind meist kurz, selten und kostbar.

Ich schlenderte mit meiner Frau zur Universitätsbibliothek. Dort wurde eine Ausstellung anlässlich des 200sten Todestages von Johann Christian Fabricius gezeigt, eines Kieler Biologen von Weltruf. Der Eröffnungsvortrag des Kustos des Botanischen Gartens, Herrn Dr. Nickol, entblätterte rhetorisch brillant ein faszinierendes Lebenswerk. Und dann – diese Bücher! Kunstwerke. Einzigartig. Wunder an Detailreichtum und Brillanz. Die Universität wurde plötzlich mehr als eine Institution, der Campus mehr als eine Ansammlung von Gebäuden. Der Raum trug einen Zauber, indem sich das Lebenswerk eines Kieler Wissenschaftlers entfaltete. Authentisch, berührend. Wissenschaftliches Ringen trat aus der Anonymität und erhielt ein Gesicht.

Die Universität erschien für mich an diesem Tage in einem neuen Glanz: Tradition wurde menschlich, greifbar, erfahrbar. Dies war ein ganz kleiner Ausschnitt aus den Archiven einer 350jährigen Universität. Wir durften genießen und erahnen, welche Schätze in den Archiven wohl noch verfügbar sind.

Jahre danach durfte ich bei einem Besuch des Botanischen Instituts ins Herbarium „schnuppern“. Als in London die 2. Cooksche Weltumseglung mit Johann Reinhold und Georg Forster als Naturkundlern zurückkehrte, erhielt Fabricius dank bester Kontakte einen Anteil an den auf pazifischen Inseln gesammelten Pflanzen. Er brachte sie persönlich mit nach Kiel und stiftete so einen berühmten Bestand des Universitätsherbariums. Ich sah nun Pflanzen vor mir, die auf dieser Forschungsreise vor Jahrhunderten unterwegs gewesen waren, handschriftlich von Fabricius klassifiziert. Mich hat dies bis heute ergriffen. Ich wünsche Vielen solche Erfahrungen. Sie sind unschätzbar mehr wert als pures digitales Wissen.

Als Andenken durfte ich aus dem „Herbarium Generale“ einen leeren Klassifizierungszettel mitnehmen. Ich habe ihn bis heute aufgehoben. Ein Stück des „Museum botanicum Universitatis Kiliensis“. Ich wünsche allen Menschen eine gute Hand und sehr viel Unterstützung, die sich für den Erhalt der Schätze „meiner“ Universität einsetzen.

 

 

Algenherbarium, Quelle: Herbarium des Botanischen Gartens der CAU Kiel

Algenherbarium, Quelle: Herbarium des Botanischen Gartens der CAU Kiel