Studium vs. Staubsauger

Autor: Iris Peters

Als ich zum Wintersemester 1997/98 an der CAU das Studium der Spanischen und Englischen Philologie und der Allgemeinen Sprachwissenschaften auf Magister begann, war ich schon weit über das übliche Studierendenalter hinaus und Mutter zweier Söhne im Alter von 7 und 9 Jahren. Damals war ich vor die Entscheidung gestellt, entweder wieder als Übersetzerin zu arbeiten, oder aber meine Sprachkenntnisse von einer anderen Seite, nämlich in Form eines Studiums, aufzurollen. Ich entschied mich für das Studium.

Nach Jahren der Kindererziehung, ohne in einer anderen Form berufstätig gewesen zu sein, war es für mich eine große Umstellung und Herausforderung, die Lehrveranstaltungen, das Lernen selbst und die Familie unter einen Hut zu bekommen. Allerdings hat sich die neue Situation als durchaus machbar und befriedigend erwiesen, sodass ich einerseits mit meinen Leistungen an der Uni zufrieden sein konnte, und andererseits die Erledigung meiner familiären „Nebentätigkeiten“, die ich mit Hilfe meines Mannes und meiner Kinder, die sich ebenfalls im kindgerechten Rahmen einbringen mussten, durchaus noch zusätzlich bewältigen konnte. Dachte ich jedenfalls, bis sich nämlich eines Tages der Neunjährige vor mir aufbaute und sagte: „Mama, das verstehe ich jetzt nicht. Warum kannst du nicht einfach, wie andere Mütter auch, zuhause bleiben und mal was anderes als immer nur schnelles Essen kochen? Außerdem hast du doch gerade einen neuen Staubsauger bekommen. Du könntest doch die Hausarbeiten einfach wieder alleine übernehmen und hättest damit, und mit uns Kindern, genug zu tun. Da muss man doch nicht auch noch immer zur Uni gehen!“

Ich habe dem Kind für seine wohlmeinenden Tipps gedankt und gleich beiden Sprösslingen den Grund für mein Studieren erläutert, und dass auch sie als Kinder durchaus mehr von meinen aushäusigen Aktivitäten profitieren würden als vom exzessiven Gebrauch eines neuen Staubsaugers. Fortan waren auch die Sprösslinge ohne viel Gemurre bei der Sache. Vielen Dank euch im Nachhinein, dass ihr mir einige meiner schönsten Jahre - die des Studiums an der CAU - ermöglicht habt!

Ich habe meinen Magisterabschluss dann im Sommersemester 2003 gemacht und arbeite seitdem am Romanischen Seminar mit vielen liebenswerten und bunten Menschen zusammen.

Zur Beruhigung der pädagogisch bewanderten Leser: Meine Kinder haben ihre Kindheit mit einer studierenden Mutter weitestgehend unbeschadet überstanden :-).