Traditionelle Verbindungen zur Christian-Albrechts-Universität

Autor: Ernst Joachim Fürsen

Dreyer - Entz-v. Zerssen - Fürsen - v. Westphalen

Zur Christian-Albrechts-Universität gibt es in meiner Familie vielfältige Berührungspunkte.

Johann Hieronymus Fürsen (1712-1754), Sohn des aus Hamburg stammenden Preetzer Klosterpredigers Johann Nicolaus Fürsen (1678-1737), schrieb sich 1730 an der Universität ein und wurde Auditeur (Militärjustitiar) im 1. Fünschen Regiment.

Sein Bruder und mein direkter Vorfahre, der königlich-dänische Justizrat und Leibarzt Dr. Joachim Fürsen (1717-1778), studierte zwar nicht in Kiel. Er trat aber über seine Schwiegermutter Juliane Dreyer geb. Westphal mittelbar in Beziehung zur CAU.

Deren Bruder, der 1738 geadelte Dr. Ernst Joachim v. Westphalen (1700-1759), wechselte vom Kieler Bürgermeisteramt 1732 als Kurator zur alma mater. Vier Jahre später ernannte ihn dessen Gönner Herzog Carl Friedrich von Holstein-Gottorf zum Hofkanzler im Geheimen Regierungskonseil.

Als Wissenschaftler hat sich Westphalen ein Denkmal gesetzt mit der vierbändigen Herausgabe der Quellen zur Geschichte Schleswig-Holsteins und Mecklenburg ("Monumenta inedita..."). Bei dieser Arbeit unterstützte ihn sein Neffe Johann C. H. Dreyer (1723-1802), der Schwager des Leibarztes. Dreyer hatte sich 1738 in Kiel immatrikuliert und wurde dort bereits in Alter von nur 21 Jahren Jura-Professor.

Als späterer Domprobst und Stadtdiplomat in Lübeck hatte dieser Gelehrte eine ebenso wechselhafte wie schillernde Biografie aufzuweisen.

Westphalen schenkte 1738 seiner Schwester den heute noch existierenden "Fürsens Hof" in Schleswig (Gottorfstr. 4), der bis 1955 im Familienbesitz bleiben sollte. Der ehemalige Universitätskurator hielt auch seinen Großneffen Ernst Georg Joachim Fürsen (1754-1833) über die Taufe, der 1774 sein in Kiel aufnehmen sollte.

50 Jahre später promovierte ihn die juristische Fakultät 1825 zum Doktor der Rechte. Dieser Vorfahre "regierte" als Hardesvogt die Insel Alsen. In Andenken und Dankbarkeit an den kinderlosen Westhalen vererbten sich in unserer Familie der Vorname Ernst Joachim und die beiden Portraits, die den Universitätskurator in prunkvollem und ordensgeschmücktem Ornat zeigen.

Zwei Söhne des Hardesvogts immatrikulierten sich 1824 zum Studium der Rechtswissenschaften an der CAU: Friedrich (1807-1833) und Cai Werner (1806-1862).

Ersterer starb früh als Amtssekretät beim Gottorfer Obergericht und der ältere Bruder wurde wie sein Vater Hardesvogt. Der Bruder des Alsener Hardesvogts, der spätere Bürgermeister in Eckernförde, Justizrat Johann Nicolaus Fürsen (1757-1817), begann sein Studium 1777 in Kiel.

Apropos: was ist eigentlich ein Hardesvogt? Ein "kleiner" Landrat im ehemaligen Herzogtum Schleswig, über dessen Amt der Verfasser seine Dissertation schrieb und sie 1973 der juristischen Fakultät der CAU vorlegte.

Danach sollte über hundert Jahre kein Fürsen die Universität an der Förde besuchen - Großvater Professor Dr. Otto Fürsen (1974-1967) bevorzugte Tübingen und Leipzig.

Zwischen den beiden Weltkriegen studierten in der Landeshauptstadt mein Onkel Johann Nikolaus Fürsen (1908-1970), zuletzt Vizepräsident des Kieler Landgerichts, und nach 1945 dessen Sohn Johann Nikolaus Fürsen (pensionierter Studiendirektor) sowie der Verfasser.

Im Jubiläumsjahr 1965 ehrte die Christian-Albrechts-Universität meinen Stiefvater Thomas Entz-von Zerssen, Kaufmann und Reeder aus Rendsburg, mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft.

Grund hierfür war die Anerkennung seiner langjährigen Tätigkeit als Präsident der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft und weil er sich "...stets tatkräftig in den Dienst der Pflege der Wissenschaft und Kultur gestellt hat."

Von den zahlreichen hohen Auszeichnungen schätzte mein Vater diese Würdigung am meisten.

Damit schließt sich nach über 240 Jahren der Kreis der familiären Verbundenheit zur Landesuniversität, beginnend 1730 mit dem Auditeur J. H. Fürsen und endend mit meiner Promotion im Jahr 1973.

Ernst Joachim Fürsen

Literatur
Th. O. Achelis, Matrikel der Schleswigschen Studenten 1517-1864, Kopenhagen 1966, Nrn. 5233, 6841, 6162, 8717 und 8718; E. J. Fürsen, in: Schleswig-Holsteinische Biografische Lexikon, Band 3 (1971), S. 149-123 ( Fürsen); Band 4 (1976) , S. 235-238 (v. Westphalen); Band 5 (1979) , S. 76-79 (Dreyer); ders., Klosterprediger Johann Nicolaus Führsen - Pastor in Wanderup und Bovenau, Klosterprediger in Preetz, in: Rendsburger Jahr-buch 2009, S. 200-229; ders., Thomas Entz-von Zerssen, Biografische Notizen zum 100. Geburtstag, in: Mitteilungen des Canal-Vereins Nr. 21 (2000), Rendsburg, S. 7 - 47.

Ernst Joachim v. Westphalen (Balthasar Denner), im Privatbesitz.

Johann C. H. Dreyer im St. Annen-Museum in Lübeck, abgebildet in: P. Döhring, Geschichte der juristischen Fakultät 1665-19, Neumünster 1965, S. 80

Ernst Georg Joachim Fürsen, im Privatbesitz.

Thomas Entz-von Zerssen (Harald Duwe), im Privatbesitz.

Thomas Entz-von Zerssen - Ehrenbürger der Universität