Vielfalt im Fahrstuhl

Autor: Dr. Iris Werner

Zu meinen Lieblingsorten auf dem Campus der CAU gehören die vier Fahrstühle des blauen Unihochhauses. In ihnen lässt sich vieles von dem, was diese Universität ausmacht, täglich in dichter Konzentration erleben.

Würdig in die Jahre gekommen und denkmalgeschützt fahren sie unermüdlich auf und ab und transportieren, neben gefüllten Servier- und Postwagen sowie Messgeräten und Computern, in erster Linie zahlreiche und unterschiedliche Menschen in unendlich vielen verschiedenen Kombinationen zumeist verlässlich durch die 15 Stockwerke.

Auf wenigen Quadratmetern treffen hier Wissenschaftlerinnen, Verwaltungsmitarbeiter, Studierende, Wissenschaftsmanagerinnen, Mitglieder der Personalvertretungen und Dekane im wahrsten Sinne des Wortes auf Augenhöhe aufeinander.

Der Fahrstuhl ist der Ort des kürzesten Dienstwegs und der direktesten Interaktion. Hier wird über alle Fach- und Gruppengrenzen hinweg gesprochen über Projekte, Vorlesungen, Urlaubsreisen, Arbeitsverträge, gerade abgegebene Dissertationen, das Wetter, den Fußball, die veraltete Software, die neue Chefin, die endlose Sitzung, die vermisste Akte, den Artikel in der KN, das Ministerium…und manchmal besser auch nichts.

Informatikprofs essen hier zu jeder Jahreszeit Eis, in den 14. Stock fährt morgens Caramel Macchiato und mittags Salat. Manchmal fahren Kinder mit, die nach einem spannenden Tag im CAU-Ferienprogramm ihre Eltern aus dem Büro abholen, manchmal fahren Eltern mit, die von ihren studierenden Kindern vom Flurfenster im 14. Stock stolz den Campus gezeigt bekommen. Manchmal fahren Politiker_innen, Kandidat_innen für Vorstellungsgespräche und andere Gäste mit um eine –je nach Jahreszeit- fröstelnde oder schweißtreibende Sitzung auf der ansonsten fantastischen Dachterrasse zu erleben.

Einmal im Jahr erfährt die Vielfalt im Fahrstuhl für wenige Stunden eine besondere Komponente. Am Girls´ Day, an dem sich das Institut für Informatik seit Jahren mit mehreren spannenden Projekten beteiligt, sind die Fahrstühle plötzlich von Scharen junger, sehr gut gelaunter Frauen bevölkert, die sich über selbst programmierte Marienkäfer und entgleisende Modelleisenbahnen unterhalten.

Hin und wieder sind die Fahrstühle überarbeitet und gestresst, dann kommen sie nicht in Gang, öffnen sich nicht und verweigern die Kommunikation. Wie wir alle, die mit ihnen fahren, brauchen auch sie von Zeit zu Zeit eine angemessene Wertschätzung ihrer Leistung und einen kräftigen Motivationsschub. Dann kann es wieder weitergehen mit dem munteren Auf und Ab.

Foto: Jürgen Haacks

Foto: Jürgen Haacks