Wenn die Wolken brechen...

Autor: Dr. Walter Dörfler

Exkursionen sind oftmals Highlights der universitären Lehre. Will man die Genese einer Landschaft zusammen mit Informationen zur menschlichen Entwicklung in derselben vermitteln, so bietet es sich an, sich diese Landschaft zu Fuß oder per Fahrrad zu erschließen. So lässt sie sich mit allen Sinnen erfahren.

Als Steigerung dieser Exkursionsform haben wir Kanuexkursionen eingeführt. Flüsse und Seen sind strukturierende Landschaftselemente und zugleich biologische Archive; prähistorische Siedlungen sind oft an Gewässern orientiert und können auf diesem Wege besonders authentisch besucht werden. Nicht so einfach ist es allerdings, wenn gefühlt mehr Wasser von oben als von unten kommt...

Studenten der Ur- und Frühgeschichte gelten gemeinhin als robust und unempfindlich. Sie sind es gewohnt, mehrere Wochen im Jahr zu fast jeder Jahreszeit in Erdlöchern zu sitzen und mit Spachtel, Kelle, Spaten, Bagger und Computer der Geschichte der Menschheit nachzuspüren. Manchmal, so sollte man meinen, kommen auch sie an ihre Grenzen.

Es begann mit leichtem Nieselregen vor dem Kieler Hauptbahnhof. Beim Eutiner Schloss, der Einsatzstelle der Boote, konnten wir uns vor dem feinen Sprühregen in die Toreinfahrt flüchten und dort der Geschichte des Schlosses und der nahen slawischen Burganlage lauschen. Kaum in den Booten, setzte ein frischer Landregen ein, der zum Nachmittag hin ergiebig wurde. Die Referate zu den einzelnen Exkursionszielen fielen zunehmend schwammig aus und alle Teilnehmer waren froh, am Abend bei kühlem Starkregen den Campingplatz und eine warme Dusche zu erreichen.

Nicht alle Zelte waren wirklich wasserdicht und der elektrische Händetrockner lief im Dauerbetrieb – mit mäßigem Erfolg. Mit blauen Müllsäcken und Klebeband wurde am nächsten Morgen ein neuer Modetrend etabliert als der heftige Niederschlag von auffrischenden Winden ergänzt wurde. Die Schwentine war zu einem Wildbach angeschwollen als wir am Nachmittag Malente erreichten, wo die Tour endete.

Auch wenn die Feinmotorik der unterkühlten Hände etwas zu wünschen übrig ließ, war die Stimmung ungebrochen und es gab keine Klagen. Alle Hochachtung vor soviel Enthusiasmus: Schleswig-Holstein ganz authentisch.

W. Dörfler, Institut für Ur- und Frühgeschichte, CAU

Dem Regen trotzen

Dem Regen trotzen