Der Schlüssel

Autor: Dr. Bernd Brandes-Druba

Gehütet hatte ich ihn wie meinen Augapfel: den Schlüssel. Den Schlüssel zum Institut. Nicht nur an den Instituten in Bonn und Hamburg, sondern auch an der Kieler Universität war mir vergönnt, in einem sehr kleinen Studienfach („Exoten“, nannte man das) zu studieren. In meinem Hauptfach „Klassische Archäologie“ war ich (jedenfalls in den höheren Semestern) der einzige in meiner Semesterstufe. Die Schar an Hauptfächlern war ebenso „überschaubar“. Die meisten von ihnen hatten einen Institutsschlüssel, und damit Zugang (Tag&Nacht) zum Institut mit der Bibliothek – und auch dem „Archäologen-Keller“ nebst dortiger „Cafeteria“.

Verschultes Lernen existierte noch nicht. Das Studium war im Aufbau und in der Durchführung jedem mehr oder weniger selbst überlassen, auch in der freien Kombination mit anderen Nebenfächern. Alles lief persönlich im kleinsten Kreise ab. Jeder hatte seinen eigenen (Studien-)Plan – manch ein Kommilitone vielleicht auch gar keinen.

Nicht jeder erreichte sein Ziel, einen Abschluss. Aber für alle war das Studium ein besonderer Lebensabschnitt. Auch wenn die meisten Studierenden damit nicht „Klassische Archäologen“ wurden: es war eine wichtige Bereicherung und Vorbereitung auf spätere (berufliche) Tätigkeiten. Ich bin sehr dankbar für diese schöne und interessante Zeit.