Morgenstund

Autor: Prof. Dr. Reimer Lincke

Vor ca. 20 Jahren fand die Physikvorlesung für Nebenfächler von 7.30 bis 9.00 statt, und trotzdem waren bis zu 500 Studenten anwesend. Es ist kurz vor 8 Uhr, das Thema der Vorlesung ist die Elektrizitätslehre, speziell der Faraday‘sche Käfig.

Am Abend vorher hatte ich das Experiment aufgebaut und den Radioapparat auf einen starken Sender eingestellt, so dass ich ihn nun nur noch einzuschalten brauchte. Wir befinden uns offenbar mitten in der Morgenandacht: der erste Satz, den wir komplett wahrnehmen lautet: „So ist doch alles müßig und nichtig.“ verhaltenes Kichern im Auditorium. Ich stülpe den Käfig über das Radio, das Feld ist abgeschirmt, und wir hören nichts mehr.

Dann stecke ich die Antenne durch den Käfig, und wir hören: „und das waren die Brosamen, die vom Tische des Herren fielen“. Tosendes Gelächter. So etwas gelingt eben nur, wenn man deutlich vor 8.00 anfängt.

Faraday'scher Käfig: Käfig mit Transistorradio und eingestecktem Antennenstab

Faraday'scher Käfig: Käfig mit Transistorradio und eingestecktem Antennenstab